Zeitgenössischer Klangzauber

Kurtág · Ligeti · Scelsi

22.11.2017

Der Gedanke, dass selbst das Gewohnte einmal ungewohnt war und dass jede Tradition erst beginnen musste, ist vielleicht selbstverständlich. Im klassischen Konzertleben liegt er besonders nahe, und im vorliegenden neuen Saisonprogramm drängt er sich geradezu auf, wenn hier mehrfach Musik des 20. Jahrhunderts mit Symphonien von Anton Bruckner kombiniert wird. Darunter ist auch die Neunte, die einst von den Wiener Symphonikern uraufgeführt wurde. Seit einigen Jahren besinnt sich das Orchester verstärkt dieser Tradition der Verpflichtung zum Neuen und integriert regelmäßig ganz neue Werke in seine Programme, sei es bei den Bregenzer Festspielen, im Wiener Konzerthaus oder im Musikverein.

Eine ebenso große Bedeutung spielen Kompositionen, die bereits zu Klassikern der Neuen Musik wurden, gerade an jenen Abenden, wo Bruckners Musik durch die Konfrontation mit großen Orchesterwerken neuerer Zeit ihrerseits wieder ganz neuartig und anders wirken kann. 

Kurtag

Nicht zufällig erklingen hier drei Werke, die sich durch ihre besondere Klangsinnlichkeit und ihren ursprünglich neuen, zur Zeit ihrer Entstehung unerhörten Umgang mit Klang auszeichnen: Gyorgy Kurtags langgezogene Trauermusik „Stele“, die sich sogar inhaltlich auf Bruckners Siebte beziehen lasst, „Konx-Om-Pax“ des ins Innere der einzelnen Tone lauschenden Magiers Giacinto Scelsi sowie schließlich Gyorgy Ligetis legendäre Klangflachen-Musik „Lontano“, die in Stanley Kubricks „The Shining“ zu Filmmusik-Ehren kam und dort fast so wirkte, als wäre sie eigens dafür geschrieben worden – was freilich keineswegs der Fall war. 
 

Konzert
Musikverein Wien, Großer Saal
Jordan / Kurtág, Bruckner 7
Musikverein Wien, Großer Saal
Jordan / Kurtág, Bruckner 7
Musikverein Wien, Großer Saal
Jordan / Kurtág, Bruckner 7
Musikverein Wien, Großer Saal
Jordan / Ligeti, Bruckner
Musikverein Wien, Großer Saal
Jordan / Ligeti, Bruckner
Musikverein Wien, Großer Saal
Jordan, Singverein / Scelsi, Bruckner
Musikverein Wien, Großer Saal
Jordan, Singverein / Scelsi, Bruckner