Kammermusik-Fest 2017

Konzerthaus und Musikverein Wien

25.10.2017

Kammermusik ist keineswegs die Reduktion des Symphonischen – sie ist dessen Konzentrat.

Das intime Format des kammermusikalischen Musizierens in kleinen Ensembles ist seit jeher ein Liebkind der Wiener Symphoniker. Erstmals präsentieren die Musikerinnen und Musiker des Orchesters diese Vorliebe im Rahmen eines dreiteiligen Festivals.

Den ersten Abend eröffnet Schuberts Fantasie für Klavier zu vier Händen, die Anfang 1828 entstand. Die melancholischen Sätze folgen nahtlos aufeinander, getrennt durch feine, auskomponierte Zäsuren, die alles wie Traumepisoden fließend ineinander übergehen lassen. 1920 komponierte Bruch sein Oktett, das bis 1996 unveröffentlicht blieb. Vielleicht bewogen Bruch Zweifel dazu, keine Veröffentlichung anzuregen: Damals dominierte die Sprache der Neuen Musik, von der sich Bruch abwendet und in der Geste der Selbstverständlichkeit Stil nach Brahmsscher Art zeigt, als wäre die Romantik noch nicht vorbei. Unzufrieden mit seinem ersten Klavierquintett op. 5, begann Dvořák 1887 die Revision. Daraus entwickelte sich das neue, zweite Klavierquintett op. 81. Dvořák verbindet die klassisch-romantische Kompositionstechnik mit folkloristischen Elementen, die sich vor allem in den Mittelsätzen zeigen. 

Die Acht Cellisten der WS (c) Christian Hofer

Konzert

Bearbeitungen von Bach, Haydn und Tschaikowski für acht Celli prägen den zweiten Abend und bieten Gelegenheit, Altbekanntes neu zu hören und zu entdecken. Die Mashups von Ernst Jandl und Gerhard Rühm mit Bartók eröffnen hingegen verspielt und ernst zugleich neue Bedeutungsräume. Kreneks Miniatur wiederum greift auf eine literarische Technik zurück, die meist bei Versformen anzutreffen ist: Die Anfangsbuchstaben aufeinander folgender Verse bilden ein eigenständiges Wort. Krenek nutzt dieses Prinzip als Modell für eine Zwölftonreihe.


Der letzte Abend steht unter dem Motto 4x8: Vier Oktette von vier verschiedenen Komponisten werden in stilistisch kontrastierender Kombination dargeboten: Gideon Klein folgt auf Beethoven, auf Strawinski folgt Mozart. Vier Oktette von vier verschiedenen Komponisten werden in stilistisch kontrastierender Kombination dargeboten: Auf Gideon Klein folgt Beethoven, auf Strawinski folgt Mozart. 

Text: Jan Giffhorn

Konzerttermine

Wiener Konzerthaus, Mozart-Saal
Fischer, Jordan, HABE Quartett Wien / Schubert, Bruch, Dvorák
Die Acht Cellisten der WS (c) Christian Hofer
Musikverein Wien, Brahms-Saal
Acht Cellisten der Wiener Symphoniker / Bach, Bartók, Krenek, Tschaikowski
Musikverein Wien, Brahms-Saal
Pittau, Kaiser, Gansch, Neubauer, Rainer, Gillinger, Yoshimura, Dorfmayr, Sugár, Bruckner, Löw, Pfistermüller, Voglmayr / Beethoven, Klein, Strawinski, Mozart