Weihnachtskonzerte

Exsultate, jubilate

26.11.2019
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Weihnachtskonzerte der Wiener Symphoniker

 

Wenige Dirigenten erregten in den letzten Jahren mit Werken von Mozart so viel Aufsehen wie der junge griechische Dirigent Constantinos Carydis. Als jemand, der radikal neue Zugänge sucht, begeistert er in seinen Interpretationen durch atemberaubende Tempi und kristallklare Transparenz. Bei seinem längst überfälligen Debüt mit den Wiener Symphonikern präsentiert er sich dementsprechend in der ersten Konzerthälfte mit einem reinen Mozart-Programm.

Neben dem Finale aus der Cassation Nr. 1 G-Dur, der Ouvertüre zum Oratorium "La Betulia liberata“ und der Arie "Ruhe sanft, mein holdes Leben“ aus dem Singspiel „Zaïde" wählte Carydis zusammen mit der ihm zur Seite gestellten, aufstrebenden Sängerin Regula Mühlemann, die sich innerhalb kurzer Zeit einen Ruf als exzellente Koloratursopranistin erarbeitete, die Motette „Exsultate, jubilate“ aus, die gewissermaßen das Herzstück des ersten Teils bildet.

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„In Italien benennet man, heutiges Tages, eine lateinische geistliche Solocantate, […] die gemeiniglich von einem der besten Sänger gesungen wird, mit diesem Namen [Motette]“. Eine solche ist die Mozart’sche, die er 1773 in Mailand nach dem Aufführungserfolg seiner Oper „Lucio Silla“ komponierte und von einem Kastraten uraufgeführt wurde. Bei den jetzigen Konzerten steht sie in einer erst 1978 aufgefundenen „Salzburger Fassung“ auf dem Programm, welche sich von der ursprünglichen „Mailänder Fassung“ durch einen eindeutig weihnachtlichen Bezug im Text unterscheidet.

Konzerte

Ottorino Respighi, dessen Werke „Fontane di Roma“ und „Pini di Roma“ die zweite Konzerthälfte bilden, bekam wichtige Impulse für sein späteres Schaffen bei einem Studienaufenthalt in St. Petersburg, wo er von Nikolai Rimski-Korsakow unterrichtet wurde. Respighi war in Bologna in einer rein musiktheatralischen Tradition aufgewachsen, die Symphonik spielte bisher in Italien eine untergeordnete Rolle. Umso tiefer sog er die Anregungen auf, die ihm sein Lehrer in Sachen Klangmalerei und der Verbindung von symphonischer Musik mit außermusikalischen Eindrücken vermittelte. Diese Eindrücke spiegeln sich in seiner symphonischen Dichtung „Fontane di Roma“ wieder, die ihm mit der erfolgreichen Uraufführung im Jahr 1916 seinen ersten großen Erfolg als Komponist bescherte. Von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang wandelt Respighi hier durch vier verschiedene Landschaftsbilder in Rom und dessen Umland, in deren Zentrum immer ein Brunnen steht: Von einem Brünnlein im Valle Giulia, der triumphierenden Tritonenfontäne und dem feierlichen Anblick des Trevibrunnens in Rom zurück zum leisen Plätschern einer Quelle im Garten der Villa Medici, das bald ins Schweigen der Nacht übergeht.

Ottorino Respighi

Zusammen mit den „Pini di Roma“ sowie den „Feste Romana“ bilden die „Fontane“ die „Römische Trilogie“, die die wohl bekanntesten Kompositionen Respighis darstellen. Auch die „Pini di Roma“ bestehen aus vier Szenen mit stark programmatischer Färbung. Das erste Bild beschreibt in jubilierenden Klangfarben römische Kinder, die zwischen den Pinien der Villa Borghese spielen. Unvermittelt wechselt die Szenerie, und man findet sich vor einem mit Pinien eingerahmten Eingang zu Katakomben wieder, aus denen sich ein transzendentaler, feierlich-hymnischer Gesang erhebt. Nach dem betörenden Eindruck einer sich in der leichten Brise einer Sommernacht wiegenden Pinie auf einem der Hügel Roms fällt der Blick schlussendlich auf die Pinien der Via Appia, die den krönenden Abschluss bilden: Ein Konsul naht mit seinem Heer, um, wie in der Partitur vermerkt, „im Glanze der neuen Sonne zur Via Sacra und zum Triumph auf’s Kapitol zu ziehen“.

 

Termine: 
Constantinos Carydis (c) Thomas Brill
Wiener Konzerthaus, Großer Saal
Carydis, Mühlemann / Mozart, Respighi
Constantinos Carydis (c) Thomas Brill
Wiener Konzerthaus, Großer Saal
Carydis, Mühlemann, Rett / Mozart, Respighi