Antonín Dvořák und Christoph Kolumbus

"Te Deum" für Soli, Chor und Orchester op. 103

14.8.2017
Antonin Dvorak

Antonín Dvořák schrieb sein Te Deum im Auftrag des renommierten National Conservatory of Music 1892 in New York anlässlich der 400-Jahr-Feier der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus. Da der eigentlich vorgesehene Text The American Flag (nach einem Gedicht von Rodman Drake) noch auf sich warten ließ, vertonte Dvořák schließlich den lateinischen Lobgesang des Te Deum als passende liturgische Form für den festlichen Anlass. Die Skizze des Werks stand in kaum einer Woche, in einem Monat hatte Dvořák die Kantate vollendet. Die Partitur versah er am 28. Juli 1892 mit der Widmung „komponiert zu Ehren des Gedenkens an Kolumbus“.

Nachdem der ursprünglich geplante Festakt zum Kolumbus-Jubiläum am 12. Oktober 1892 wegen eines Theaterbrandes nicht stattfand, stand das Te Deum neun Tage später, am 21. Oktober, im Mittelpunkt eines Konzerts in der ein Jahr zuvor eröffneten New Yorker Carnegie Hall. Unter Dvořáks Leitung und der Mitwirkung von mehr als 250 Choristen wurde das Werk erstmals der Weltöffentlichkeit präsentiert. Dass es sich dabei vielmehr um ein Konzertstück denn eine liturgische Komposition handelt, zeigt sich an der eigenwilligen Textbehandlung ebenso wie am großformalen Aufbau, dessen vier, effektvoll kontrastierenden Teile symphonische Maßstäbe erkennen lassen. In seiner wuchtigen Dramatik erinnert das imposante Werk auch nicht von ungefähr an Giuseppe Verdi oder Anton Bruckner und veranlasste anekdotisch Johannes Brahms zum scherzhaften Kommentar: „Das Te Deum ist wohl für die Feier der Zerstörung Wiens und Berlins durch die Böhmen gedacht und scheint mir dafür auch recht geeignet.“

Text: Wikipedia

Konzert

Die beiden Aufführungen des Werkes am 22. und 24. September, mit denen die Wiener Symphoniker ihre diesjährige Spielzeit eröffnen, sind die ersten Aufführungen des Stücks im Wiener Konzerthaus überhaupt. Mit dem tschechischen Dirigenten Tomáš Netopil, der in der berühmten finnischen Dirigierschule von Jorma Panula ausgebildet wurde, konnte dabei am Pult ein Spezialist für das Werk gewonnen werden – wie sich auch in der sinnvollen, gewitzten Einbettung des „Te Deums“ in das jeweilige Konzertprogramm verdeutlicht.

Tomas Netopil (c) Marco Borggreve

Bevor Netopil und das Orchester mit dem Werk das renommierte Prager Dvořák-Festival abschließen werden, kombinieren sie es am 22. September im Rahmen von Fridays@7 mit der Sechsten Symphonie Dvořáks, für die zwei Wahlwiener Geburtshelfer standen: der Dirigent Hans Richter, der das Werk 1880 beauftragt hatte, sowie Johannes Brahms, der mit seiner 2. Symphonie in D-Dur das entscheidende Vorbild lieferte. Brahms' Tragische Ouvertüre für Orchester vervollständigt entsprechend das Programm des zweiten Wiener Konzerts am 24. September.

 

Konzerte Teaser
Wiener Konzerthaus, Großer Saal
Saisoneröffnung
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Wiener Konzerthaus, Großer Saal
Netopil, Šaturová, Plachetka, Singakademie / Brahms, Dvorák