Pathétique

Schulkonzert 2013-14

Rote Rosen für Pjotr Iljitsch Tschaikowskij

Die Wiener Symphoniker lassen die Tradition der Schulkonzerte wieder aufleben

Zu Ende des Schulkonzerts der Wiener Symphoniker am 19.12.2013 im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins legen Schüler rote Rosen vor das übergroße Portrait von Pjotr Iljitsch Tschaikowksij auf die Bühne und erweisen ihm stellvertretend für ihre Altersgenossen im Zuschauerraum die letzte Ehre. Der anhaltende Schlussapplaus der 1.300 Jugendlichen zeugt von einem großen Erfolg: Tschaikowskijs 6. Symphonie stand auf dem Programm, doch haben die Schülerinnen und Schüler an diesem Vormittag wesentlich mehr gehört und gesehen als Ausschnitte der Pathétique. Den Wiener Symphonikern gelingt mit diesem Konzert eine zeitgemäße Wiederaufnahme einer wichtigen Tradition des Orchesters. Bereits in den 50er Jahren etablierte der Dirigent Hans Swarowsky in Kooperation mit der Stadt Wien eine Konzertreihe, die bis weit in die 70er Jahre hinein Schulklassen zum Besuch des klassischen Orchesterrepertoires einlud und den Lehrern einige Wochen vorher Materialien und Tonbänder zukommen ließ. Im Konzert selbst wurden zu den Werken Lichtbilder an die Wand projiziert und einzelne Instrumente vorgestellt.

Das Pathetische verbindet Tschaikowkij und Jugendliche

40 Jahre später hat das Performative auf der Bühne des Wiener Musikvereins Einzug gehalten. Nun ist es ein Schauspieler (Christoph Matl), der in die Figur des Neffen des Komponisten schlüpft und aus dessen Perspektive historische und emotionale Kontexte als Anker für die jungen Zuhörer anbietet. Einzelne Möbelstücke und Alltagsgegenstände auf der Bühne wecken Assoziationen zum ausgehenden 19. Jahrhundert und verorten mit Samowar und Matrioschka Russland als Heimat des Komponisten und die Wohnung des Meisters, die es nach seinem Tod aufzulösen gilt. Der Neffe führt das Publikum zwischen 10 und 14 Jahren durch die letzten Lebensmonate von Tschaikowskij, die gleichzeitig die Phase der Komposition an der Pathétique waren. Als „Botenstoff“ des Gefühls nutzt er einerseits seine eigene Trauer und andererseits originale Tagebucheintragungen und Briefe des Komponisten, die ebenso Aufschluss über dessen Ausgesetztheit aber genauso seine trinkfreudige Lebenslust bieten.

Das Geschehen auf der Bühne beherrschen aber nicht nur die Musiker des Orchesters und Tschaikoswkijs Neffe sondern ebenso Schüler der Neuen Mittelschule Georg Wilhelm Pabstgasse aus dem 10. Wiener Bezirk, die plötzlich aus dem Orchester heraus erscheinen und choreographisch geführt Einwürfe zu den Gefühlswelten des Komponisten gestalten. Karin Steinbrugger arbeitete als Choreographin mit den Schülern an der Mitwirkung bei der Pathétique.

Auf diese Weise treffen vier Welten im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins aufeinander: das professionelle Orchester der Wiener Symphoniker unter der Leitung von Marius Stieghorst, der Schauspieler Christoph Matl, der in der Rolle von Tschaikowskijs Neffen als Moderator fungiert, die Schüler der Neuen Mittelschule, die choreographisch in das Geschehen eingreifen und Schüler im Publikum, die ihnen dabei zuhören und zusehen.

(Bericht über das Schulkonzert in der Neuen Musikzeitung (NMZ): gekürzte Fassung des Artikels der nmz 2/2014 von Constanze Wimmer)

Vorbereitung

Bei diesem Schulkonzert wurden die Lehrer im Vorhinein mit umfangreichen Materialien zu Biographie und Komposition versorgt und in einem gemeinsamen Lehrerworkshop in die praktischen Vermittlungsmodelle eingeführt. 15 Schulklassen nahmen darüber hinaus an kreativen Workshops mit Musikern der Wiener Symphoniker teil.

Rückmeldungen

Schüler und Lehrer waren begeistert! Ihr Feedback an die Musikvermittlerin der Wiener Symphoniker, Bettina Büttner-Krammer, fällt einhellig überaus positiv aus. Ebenso stehen die Musiker und das Management des Orchesters hinter der breiten Palette der Vermittlungsansätze, in deren  Mitte nun das Schulkonzert einen Fixpunkt darstellt - einer Fortsetzung steht also nichts mehr im Wege. Das Konzept wurde übrigens bereits einige Tage später vom Beethoven Orchester Bonn in adaptierter Form zur Aufführung gebracht. Dies bringt einen völlig neuen Ansatz der Kooperation auf Musikvermittlungs-Ebene ins Konzertleben, der sicherlich noch weitere Früchte tragen kann.

FILM - „Symphonie Pathétique“
Donnerstag, 19.12.2013, 10.00 Uhr
Musikverein Wien, Großer Saal
Marius Stieghorst, Dirigent
Christoph Matl, Schauspieler

Karin Steinbrugger, Choreografin
Bettina Büttner-Krammer, Konzept/Projektleitung

Gesamtspielzeit: 1 Stunde 5 Minuten

Bilder einer Ausstellung (c) Lukas Beck
Schulkonzert 2017-18

Bilder einer Ausstellung

Marko Simsa und die Wiener Symphoniker entführten die Kinder gemeinsam mit Hilfe von Mussorgskis Meilenstein "Bilder einer Ausstellung" in die Welt der bildenden Kunst.

Igudesman_Joo (c) Lukas Beck
Schulkonzert 2017-18

Igudesman & Joo

Upbeat, die Fortsetzung von BIG Nightmare Music, dem Erfolgsprogramm der Musikentertainer Igudesman und Jo, entführte das Publikum auf eine stürmische Fahrt quer durch alle erdenklichen Genres.

Young Symphony Musikvermittlung
Schulkonzert 2016-17

Schubertiade

Wenn der weltberühmte Goldene Saal des Wiener Musikvereins zu einem Wohnzimmer umfunktioniert wird, kann das nur eines bedeuten: Franz Schubert lädt seine Freundinnen und Freunde zu einem seiner berühmten Hauskonzerte - einer Schubertiade!