Musik, der Vergessenheit entrissen
Musik, der Vergessenheit entrissen
Wien • 10. August 2026
Unermüdlich ist Exilarte, das Wiener Zentrum für verfolgte Musik, seit 20 Jahren im Einsatz, um das Werk und Leben von Musik- und Theaterschaffenden aufzuarbeiten, die durch den Nationalsozialismus als „entartet“ verfemt wurden. Zum Jubiläum findet am 23. September im Wiener Konzerthaus ein Gedenkkonzert der Wiener Symphoniker unter der Leitung von Katharina Wincor statt.
Zwei dieser weitgehend bis heute vergessenen Komponisten werden beim Jubiläumskonzert von Exilarte in Erinnerung gerufen: der 1894 in Wien geborenen Wilhelm Grosz und der 1901 in Prag geborenen Hans Winterberg, beide aus jüdischen Familien stammend.
Der Schreker-Schüler Grosz befand sich in den aufregenden Zwanzigerjahren in Wien und Berlin zwischen den Polen der avantgardistischen Moderne der Schönberg-Schule, des Expressionismus sowie der Neuen Sachlichkeit und der vom aufkommenden Jazz mitinspirierten Unterhaltungsmusik. So werden die Symphoniker neben den beiden schon 1921 in Wien uraufgeführten Orchesterwerken Serenade op. 5 und Tanz op. 7 auch die späte Uraufführung der 1937 im Exil in London komponierten Spanish Rhapsody für Klavier und Orchester spielen - am Klavier: Mitra Kotte. In London schaffte es der dann 1939 im US-Exil früh verstorbene Grosz übrigens mit einer seiner Schlagerkompositionen an die Spitze der damaligen Hitparaden!
Hans Winterberg wiederum, einziger überlebender Komponist des Nazi-Ghettos Theresienstadt, wurde stark von der tschechischen Musik in der Nachfolge Leoš Janáčeks geprägt und schuf faszinierende große Orchesterfreskos wie die während des Zweiten Weltkriegs komponierte 2. Symphonie, ein tragisches Epos mit faszinierenden harmonischen und klanglichen Schichtungen, dissonanten Eruptionen und polyrhythmischen Energien. Nach dem Krieg lebte und komponierte Winterberg in Bayern, als Deutschsprachiger in Tschechien fühlte er sich ausgeschlossen. Nach seinem Tod 1991 blieben viele Autographen des kompositorischen Nachlasses in einem Sudetendeutschen Archiv bis 2015 unter Verschluss und werden erst jetzt von Exilarte nach und nach in Zusammenarbeit mit dem Verlag Boosey & Hawkes erschlossen.
Tickets für das Jubiläumskonzert sind über das Wiener Konzerthaus online oder im Ticket- und Service-Center erhältlich.
Das Konzert
Das Konzert
Die Radiosendung zum Konzert
Die Radiosendung Zum Konzert
Taktgefühl
Taktgefühl
Michael Gmasz sprach bei Radio Klassik Stephansdom in der Sendung "Taktgefühlt" mit Gerold Gruber, dem Leiter des Exilarte Zentrums an der mdw, über die stetig wachsenden Aufgaben seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, über Absurditäten in der Rechtsnachfolge von Komponisten und über die beiden Komponisten Hans Winterberg und Wilhelm Grosz. Interessante Einblicke zum Nachhören.